Ulrich Schödlbauer: Rede vom Müll (15)
»Dadurch, dass man es von allen Gütern am meisten dem anderen unsichtbar und wie nicht vorhanden machen kann, nähert es sich dem geistigen Besitz«: auch diese Eigenschaft teilt das Geld mit dem Müll. Nur die Formen des Unsichtbarmachens unterscheiden sich. Der Grundsatz, nach dem alles, was verklappt wird, irgendwann wieder hochkommt, gilt für beide, desgleichen der in der Sache begründete Vortritt des Ruch- vor dem Sichtbarwerden. Wir wissen nicht, ob Simmel auch darin eine Nähe zum geistigen Besitz erkannt hätte, doch fällt auf, dass den geruchlosen Gefährdungen der Megazivilisation rechtzeitig eine Kultur an die Seite tritt, die nach nichts schmeckt. Auch daran lässt sich Geschmack finden. Ebenso an den rostenden Fässern mit radioaktivem Material, die sich aus abgelegenen Salzstollen den Weg zurück ins Licht der Öffentlichkeit bahnen. Man unterschätzt das Eigenleben des Abfalls, solange man glaubt, ihn der Dingwelt zuschlagen zu können. Der Abfall ist eine Persönlichkeit im Werden, darin der Menschheit vergleichbar: aus dem Ziel wird nichts, aber der Weg dahin ist mit Ernüchterungen gepflastert.